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Die erste größere Aufgabe meines Pastell-Zeichenkurses in Stralsund:

Auswahl eines Motivs, das nach den Grundregeln der Bildkomposition aufgebaut ist und dessen detailgetreue Wiedergabe.

Unter 12 Motiven, davon mindestens drei ungeeigneten, habe ich die sehr schöne Winterwiese aus der Dezemberausgabe 2012 der “Landidee“ ausgewählt. Dem Meister gefiel die Stimmung in den beiden Kontrastfarben lila und orange, davor eine reizvolle Baum- und Aststruktur auch: „die nehmen wir!“. Und los ging’s.

Die Bild-Komposition erfüllt die Regeln gleich in mehreren Bildteilen:

  • der Horizont liegt im unteren drittel des Bildes (nicht in der Mitte),

  • die Winterwiese, eingerahmt vom Rain am Horizont und den beiden Schatten im Vordergrund bildet das große Dreieck und den Hingucker des Bildes,

  • die linke Baumgruppe mit drei Bäumen, deren Standorte ebenfalls ein kleines Dreieck bilden, balancieren die rechte Baumgruppe wunderbar aus.

  • Buschgruppen sind ebenfalls in Dreiecken angeordnet, rahmen die Wiese ein und geben kleine Lücken in die Tiefe frei,

  • Äste rahmen Bild – Räume ein und verstärken gleichzeitig die Tiefenwirkung.

Das es ausgerechnet kurz vor der Kirschblüte ein Winterbild sein musste, diskutiere ich mal nicht. Abgesehen, davon musste ich morgens und abends immer wieder mal den Ofen anheizen. Also soweit weg ist der Winter hier oben noch nicht und richtig warm wird es entgegen des Trends im Rest Deutschlands im Nordosten noch lange nicht. (10-12°C tagsüber! Und ein knochentrockner NE-Starkwind – nichts für Warmduscher – und nichts für meine zarten Salatpflänzchen, die sich den aggressiven Wind um die Blätter wehen lassen müssen.)

Wie bin ich nach kurzer Einweisung vorgegangen?

Zunächst mal ganz sachte ein mittleres und dann ein helleres lila für den oberen Himmel, gelb und orange bis weiß für den unteren Himmel, dann der gelbe bis orange Schnee und die Hauptschatten im Vorder- und Mittelgrund. Am Horizont erscheint noch der kleine Wald in graugrün und umbra. Es werden noch keine Bäume eingezeichnet, auch nicht angedeutet. Alles wird noch grob und vorsichtig aufgetragen und noch nicht verblendet. Wenn alles stimmt, kann man anfangen zu verblenden. An den Grenzen zwischen lila und orange oder gelb nicht zuviel hin und her, sonst wird’s doch grau!

Beim Verblenden ist es wichtig, dass auch hier schon die räumlich Tiefe des Schneefeldes erkennbar wird. Also vorn dunkler, hinten mit weiß aufhellen, wieder ganz zart.

Das erste Detail ist der am Horizont liegende Wald. Die Spitzen müssen in den orangen Lichtstreifen der untergehenden Sonne gehaucht werden. Schatten und Formen nur andeuten.

Die Sonne und der etwas hellere Streifen über dem orangen Dunst in den Baumwipfeln soll jetzt auch richtig gezeichnet werden.

Stimmen alle Tonwerte und Übergänge, ist der erste Schritt des Bildes abgeschlossen (und die Kursdoppelstunde zu Ende). Die Vervollständigung des Bildes war die Hausaufgabe.

Ich habe bei dem entferntesten Baum zuerst, bei den hellsten Ästen angefangen und mich langsam von oben! Sozusagen rückwärts nach unten zum Stamm vorgearbeitet und immer darauf geachtet nicht zu schnell zu dunkel oder zu dick zu werden. Es ist nämlich verdammt schwer zu dunkle Stellen wieder zu korrigieren oder gar wegzunehmen. In der Pastelltechnik arbeitet man ja grundsätzlich vom Dunklen ins Helle. Aber bei den Ästen ist es wirklich ratsam umgekehrt vorzugehen, weil die helleren ja auch meisten weiter entfernt sind und deswegen von den davorliegenden, dunkleren Ästen teilweise verdeckt werden. Der räumliche Eindruck der Baumkrone entsteht so von selbst. Wichtig ist noch die Neigung der Äste:

die entfernten Ästen zeigen oft (nicht immer) abwärts, während die näheren oft aufwärts zeigen.

Wegen der perspektivischen Wirkung muss ein waagerecht gewachsener Ast im entfernteren Teil zum Fluchtpunkt, also nach unten zeigen.

Mit viel Fleiß malte ich also Baum für Baum, dann die Sträucher und zum Schluß die Spuren im Schnee, die eine ganz wichtige Wirkung für das Bild haben. Sie führen natürlich ins Bild und strukturieren die sonst sehr monotone orange Schneefläche im Vordergrund. Das Bild bekommt durch diese Details seinen letzten Schliff.

Bei der Vorstellung des Bildes erntete ich tatsächlich ein dickes Lob, die Prüfung war bestanden. Letzte Korrekturen und Abgleichungen auf Rat des Meisters oder sogar durch ihn selbst (das Absetzen der Sträucher durch eine kleine Portion Schwarz, das war’s).

Wichtig sind gute Pastellstifte, und gutes Papier, damit die zarten Konturen der Äste noch auf den manchmal vielleicht schon etwas übermalten Untergrund noch zu erkennen sind. Sonst hilft nur das Fixativ. Meine Schwan-Stabilo „Carb-Othello“ Stift waren an der Grenze. Grau und dunkellila, auch blau gehen, aber die anderen…. Unser Meister empfiehlt „Derwent“-Stifte. Ein kleiner Test hat dies auch bewiesen.

Ein spannendes Bild, das richtig Spaß gemacht hat. Bin gespannt was danach kommt.

Kleiner Tipp:

Das Bild gewinnt beim Betrachten auf dem Computerflachbildschirm, wenn der Winkel so verändert wird,das das Bild dunkler erscheint. Es ist dann etwas näher an der Wirkung des Originals.